Jô Shishido

Jô Shishido (1933-2020) Lesedauer: ca. 3 Minuten

Jô Shishido war der beim westlichen Publikum wohl bekannteste Schauspieler der Filmschmiede Nikkatsu. Besonders seine Zusammenarbeit mit Regie-Exzentriker Seijun Suzuki und allen voran der Killer-Kultfilm Branded to Kill haben ihm unter den Nippon-Fans weltweit ein spätes Renommee eingebracht. Der Mann mit den markanten Pausbacken war zwar schon in seiner Glanzzeit in den 60ern in Japan ein Star, doch international bekannt wurde er erst in den 80ern und 90ern, als eben Branded to Kill auf westlichen Film Festivals lief und später auch für das Heimkino veröffentlicht wurde.

Jô Shishido wird zum Backenhörnchen

Seine Karriere als Schauspieler begann im Jahr 1954, als der damals 20-Jährige bei einem New Faces Contest der Produktionsfirma Nikkatsu in öffentlichen Auditions neben 20 anderen Jungschauspielern unter mehr als 8.000 Bewerbern einen Vertrag ergattern konnte. Die Produzenten sahen ihn als kommenden Star in Liebesfilmen, wollten außerdem, dass er sich einen Künstlernamen zulegte, was er aber ablehnte. 1957 unterzog er sich einer Schönheitsoperation, um mit stark ausgeprägten Pausbacken männlicher zu wirken (böse Zungen sagen, er sah aus wie ein Backenhörnchen). Er war gut beschäftigt, drehte teils mehr als ein Dutzend Filme im Jahr. Als Gegner von Akira Kobayashi in dessen erfolgreichen Wanderer- und Drifter-Reihen genoss er schon eine gewisse Popularität.

Ein Unglück ebnet Jô Shishido den Weg zum Erfolg

Die Stars des Studios, die sogenannte Diamond Line, waren jedoch Yujiro Ishihara, Akira Kobayashi und der junge Superstar Keiichiro Akagi – Jô Shishido und Kollege Hideaki Nitani kamen erst an vierter und fünfter Stelle. Doch ein Unglück ließ Shishido schließlich auch in der Hierarchie steigen. Als 1961 Akagi bei einem Go-Kart-Unfall tödlich verunglückte und Ishihara nach einem Ski-Unglück einige Monate pausieren musste, kamen er und Nitani endlich auch an die Top-Billings.

Zusammen mit dem Buddy-Movie Dirty Work sowie den beiden Sequels Bodyguard Work und Helper Work starteten Jô Shishido und Hideaki Nitani 1961 durch. Nach seiner Rolle in dem erfolgreichen Sukiyaki-Western Fast-Draw Guy im selben Jahr wurde er nur noch “Ace no Joe” (Joe the Ace) genannt.

Shishidos Zusammenarbeit mit Seijun Suzuki

Als äußerst lohnenswert wird aus heutiger Zeit seine Zusammenarbeit mit Regisseur Seijun Suzuki gesehen. Mit ihm drehte er die Krimi-Komödie Detective Bureau 2-3: Go to Hell Bastards! (1963) und den Neo-Noir Youth of the Beast (1963). Das Rotlicht-Drama Gates of Flesh (1964) wurde schon damals wegen seiner innovativen Beleuchtung und kreativen Kamera-Arbeit viel beachtet. Der heute als Kultfilm verehrte Branded to Kill (1967) markierte allerdings das Ende ihrer Zusammenarbeit. Die Nikkatsu-Oberen waren von dem psychedelisch angehauchten Action-Thriller genauso wenig angetan wie das damalige Publikum. Für Seijun Suzuki bedeutete dies beinahe das Ende seiner Karriere, er prozessierte lange gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber und drehte fast 10 Jahre lang keinen Film mehr.

Shishidos Stern sinkt

Für Jô Shishido hieß es erstmal weiter business as usual. Er drehte 1967 noch die Noir Krimis A Colt Is My Passport mit Regisseur Takashi Nomura und Massacre Gun mit Yasuharu Hasebe. Beide Filme waren, wie Branded to Kill, in Schwarz-Weiß gehalten, und Shishido spielte jeweils einen Killer, der auf sein Ende zuging. Für Hasebe stand er auch noch in Retaliation (1968) und A Man’s World (1971) vor der Kamera. Mit Nikkatsu ging es aber Ende der 60er schon bergab, man konnte sich mit dem Konkurrenten Toei, der selbstständig neue Trends etablierte, nicht mehr auf Augenhöhe messen.

Rollen im TV & Comeback als Detektiv

Die Rollen waren jetzt nicht mehr so attraktiv, Nikkatsu widmete sich immer mehr den pinku eiga oder Roman Porn. Jô Shishido kündigte seinen Vertrag und spielte fortan meist im TV oder in Filmen anderer Produktionsfirmen wie eben Toei. In den 90ern kehrte er in der Private Eye-Trilogie als Privatdetektiv auf die Leinwand zurück. 2000 ließ er sich seine Wangen-Implantate entfernen und damit seine markanten Pausbäckcehn, die seine Erscheinung so prägten, hinter sich. Fünf Jahre später machte er von sich reden, als er eine Rolle in Takashi Ishiis Bondage-Film Flower and Snake 2: Paris/Shizuko annahm.

Am 20. Januar 2020 verstarb Jô Shishido im Alter von 86 Jahren.

Jô Shishido Filmographie (Auswahl):

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