Omero Capanna

Omero Capanna Lesedauer: ca. 3 Minuten

Italo-Fans werden Omero Capanna gewiss schon oft gesehen haben. Vielleicht nicht bewusst, denn er stand nie irgendwo im Vordergrund. Als ausgebildeter Stuntman konnte er auch mal Leute doubeln, meist aber war er nur in einer Szene kurz im Bild, absolvierte seine Arbeit und verschwand wieder. In manchen Filmen hatte er aber auch kleinere Rollen, in einem einzigen Western, Un animale chiamato… uomo! von 1972, spielte er eine tragende Rolle. Gerne war er der fies dreinblickende Henchmen, der durch seine Anwesenheit die Macht des großen Bösewichts noch verstärkte. Oder der Killer mit Gewehr, der aus der Ferne dem Helden nach dem Leben trachtete.

Der skrupellose Gangster

Mir fiel er erstmals in Fernando Di Leos Gangster-Klassiker Milano Kaliber 9 ins Auge. In der furiosen, heute schon legendären Anfangssequenz kümmerte er sich um einige vermeintliche Diebe bei einer Geldschmuggel-Aktion. Eine Szene, die an Bösartigkeit kaum zu übertreffen ist. Omero Capanna ergänzt dabei den Antagonisten Mario Adorf kongenial, sein fieses Gesicht mit dem Schnauzbart und den zurückgegelten Haaren wirkt bei den beiden uniform. Wegen dieser gut sechs Minuten Film hat sich sein Antlitz für immer in mein Gehirn gebrannt.

In ähnlichen, meist aber noch kleineren Rollen erspähte ich ihn fortan immer wieder mal. Ob nun in den folgenden beiden Teilen von Di Leos Halbwelt-Trilogie, Der Mafiaboss – Sie töten wie Schakale und Der Teufel führt Regie, oder bei den Kloppereien eines Bud Spencer als Kommissar Rizzo, Capanna war in gefühlt jeden zweiten Film plötzlich dabei. Oftmals nur in einer kurzen Szene.

Omero Capanna – Ein Leben für den Film

Durch seinen Vater Otello Capanna, der ebenfalls als Stuntman arbeitete, kam Omero 17-jährig zum Film. Sandalenfilme, Italo-Western, Kriegsfilme, Polizieschi, Hau-drauf-Komödien, italienische Science-Fiction oder Zombiefilm – es gibt eigentlich nichts, was er nicht gemacht hätte. Ab und an schaffte er es auch in größere Produktionen wie Cleopatra (1963), Waterloo (1970), Caligula (1979), Der Tag des Falken (1985) und Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil (1985). Eine seiner letzten Anstellungen als Stunt-Koordinator hatte er bei Martin Scorseses Gangs of New York (2002), der auf großen Stages in der Cinnecitta in Rom entstand.

Omero Capanna verstarb schon 2003 im Alter von 61 Jahren. Sein Sohn Luciano legte in seinem Gedenken einen sehr liebevoll gestaltete und informative Internetseite an. Dort listet er alle 428 Filme, an denen er mitgewirkt hatte, auf, teils mit Quittungsbelegen für seine Entlohnung. Es gibt dort unzählige Fotos und viele Videos zu bestaunen und enthält auch einige Texte in englischer Sprache. Wer sich für italienisches Kino und seine unbekannten Helden interessiert, sollte da auf jeden Fall mal einen Blick riskieren. Ich schaue in letzter Zeit öfters mal dort vorbei, um in alten Fotos zu stöbern.

Filmographie (ein ganz kleiner Auszug)

  • Aladins Abenteuer (1961)
  • Cleopatra (1963)
  • Das rote Phantom schlägt zu (1966)
  • Django und die Bande der Gehenkten (1968)
  • Todeskommando Panthersprung (1969)
  • Stoßtrupp ins Jenseits (1969)
  • Sabata (1969)
  • Waterloo (1970)
  • Dracula im Schloss des Schreckens (1971)
  • Vier Fäuste für ein Halleluja (1971)
  • Milano Kaliber 9 (1972)
  • Der Mafiaboss – Sie töten wie Schakale (1972)
  • Verflucht, verdammt und Halleluja (1972)
  • Der Teufel führt Regie (1973)
  • Sie nannten ihn Plattfuß (1973)
  • Im Dutzend zur Hölle (1973)
  • Die Rache des Paten (1974)
  • Die sündigen Nonnen von St. Valentin (1974)
  • Rosso – Die Farbe des Todes (1975)
  • Fango Bollente (1975)
  • Racket (1976)
  • Die Gewalt bin ich (1977)
  • Messalina – Kaiserin und Hure (1977)
  • Zwei außer Rand und Band (1977)
  • Battle of the Stars (1978)
  • Star Crash – Sterne im Duell (1978)
  • Caligula (1979)
  • Fellinis Stadt der Frauen (1980)
  • Ein Zombie hing am Glockenseil (1980)
  • Laura – Eine Frau geht durch die Hölle (1982)
  • Der Tag des Falken (1985)
  • Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil (1985)
  • Paco – Kampfmaschine des Todes (1986)
  • Fatal Frames – Okkulte Morde (1996)
  • Wax Mask (1997)

IMdb / Wikipedia

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