Italo SF – Quatsch mit Sauce im Weltall

Italo SF - Quatsch mit Sauce im Weltall Lesedauer: ca. 11 Minuten

Als Hollywood 1950 bereits zur Eroberung des Weltraum bließ, war man in Italien noch damit beschäftigt im Neo-Realismus die Spätfolgen des 2. Weltkriegs zu verarbeiten. Eine große Rolle bei der Etablierung des Italo SF spielte mal wieder Mario Bava. Die Allzweckwaffe des italienischen phantastischen Kinos drehte schon Der Tod kommt aus dem All/La morte viene dallo spazio (1958). Offiziell stand er nur für Regisseur Paolo Heusch hinter der Kamera, aber es heißt, dass Heusch nur den Strohmann zur Vermarktung des Films gab. Für den SF-Horrorfilm Caltiki – Rätsel des Grauens/Caltiki il mostro immortale (1959) musste er dann wieder für Riccardo Freda einspringen, der das Projekt vor Vollendigung verließ. Mit Planet der Vampire/Terrore nello spazio (1965) schuf Bava dann einen Klassiker des italienischen Genrefilms. Die eher seichten Weltraumopern überließ er anderen Filmemachern.

Antonio Margheriti – Verkannter Italo SF-Pionier

Der Regisseur Antonio Margheriti wurde zu Lebzeiten zumeist als Anthony M. Dawson geführt, der besseren Vermarktung willen. Heute ist er eher für seine Filme des Italian Gothic (Danse Macabre) oder des Söldnerfilms (Kommando Leopard) bekannt. Er drehte aber schon mit Space Men (1960) und Battle of the Worlds/Il pianete degli uomini spenti (1961) die wohl ersten italienischen Weltraumopern. Hiermit versuchten sich die Herren aus der Cinecitta an den Erfolg der japanischen SF-Hits Weltraum Bestien/Chikyu boeigun (1957) und Krieg im Weltenraum/Uchu daisenso (1959) von Godzilla-Schöpfer Ishiro Honda anzuhängen. Margeritis Erstling Space Men orientierte sich dabei eher an die amerikanischen SF-Filme der frühen 50er. Damals stand die bevorstehende Eroberung des Weltraums durch den Menschen im Vordergrund. Der darauf folgende Battle of the Worlds behandelte dann einen Konflikt mit Außerirdischen, der teils auf der Erde und teils im Orbit ausgefochten wurde.

Italo SF - Raumstation Gamma I
Das lustige Modell der Raumstation Gamma I begleitet den Zuschauer durch die ganze Reihe © X-Rated

Der Gamma I-Zyklus

1965 legten die Italiener nach, und Margheriti inszenierte back-to-back eine ganze Reihe an inhaltlich lose verknüpften Science-Fiction Filmen um die Raumstation Gamma I. Die amerikanischen Mercury Film International und Southern Feature Film Company finanzierten die Filme, um sie auf dem US-Markt zu verkaufen. Tatsächlich erfuhren sie international eine Kino-Auswertung, wahrscheinlich weil sie eine seinerzeit ungefüllte Nische bedienten. Es folgte sogar noch ein fünfter Teil, die Produktion verlegte man dann aber nach Japan. Kein geringerer als Kinji Fukasaku inszenierte Monster aus dem All/The Green Slime (1969). Verständlicherweise kamen hierbei keine der bekannten Gesichter aus den Italo-Filmen zum Einsatz.

Die Filme bieten naive, altmodische SF-Unterhaltung. Raumschiffe, Stationen und Städte sind klar erkennbar Miniatur-Bauten, das macht auch mitunter ihren Reiz aus. Allerdings kommt es mehr als einmal vor, dass Effekt-Sequenzen mehrfach genutzt werden, was aber auch irgendwie knuddelig ist.

Italo SF - Raumhafen Modell
Miniatur-Modelle zum Liebhaben statt sterilem CGI © X-Rated

Die Filme im Einzelnen

Der Start der Reihe heißt Raumschiff Alpha – Planet der Verdammten/I criminali della galassia (1966). In den Hauptrollen agierten Tony Russel, Lisa Gastoni und Massimo Serrato, in einer Nebenrolle ist Franco Nero zu sehen. Als auf der Erde wichtige Amtsinhaber spurlos verschwinden, muss Commander Halstead (Russel) zu den Ermittlungen seinen Posten auf Raumstation Gamma I verlassen. Auf der Erde kommt er künstlichen Menschen auf die Spur, was ihn zu den Experimenten von Prof. Muri (Serrato) nach Forschungsstation Alpha führt. Doch dem einflussreichen Wissenschaftler ist nur schwer beizukommen, zumal er Halsteads Freundin Connie (Gastoni) bei sich hat.

Italo SF - Franco Nero
Gestern noch Django, heute auf der Raumstation: ein junger Franco Nero © X-Rated

Tödliche Nebel/I diafanoidi vengono da Marte (1966) bietet ein weiteres Abenteuer derselben Crew. Das Sequel verlegt seine Handlung komplett ins All. Die Raumstationen der Erde werden von körperlosen Außerirdischen überfallen, die Führungsebene der Menschheit unterminiert. Natürlich ist auch Gamma I in Gefahr, und Com. Halstead muss die Invasion mit seiner Crew stoppen.

In Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens/Il pianeta errante (1966) wird die Erde von Naturkatastrophen heimgesucht. Zurückzuführen ist dies auf die Annäherung eines im All treibenden Planeten, der sich mit dem blauen Planeten auf Kollisionskurs befindet. Giacomo Rossi Stuart spielt hier die Hauptrolle des Com. Jackson. Er wird mit seinem Raumschiff auf eine Rettungsmission geschickt, den unbekannten Planeten aufzuhalten. Doch dort angekommen, machen er und seine Crew eine unglaubliche Entdeckung.

Mit Dämonen aus dem All/La morte viene dal pianeta Aytin (1967) schloss die italienische Weltraumoper-Quadrologie ab. Das zweite Abenteuer von Com. Jackson führt ihn in die Arktis, um im ewigen Eis auf außerirdische Kreaturen zu stoßen. Diese sind dann wieder einmal nicht sehr friedlich veranlagt und wollen die Erde in einen Eisplaneten verwandeln. Das Finale steigt allerdings in ihrer Basis auf dem Jupiter-Mond Callisto.

Nachschlag

In Fukasakus Monster aus dem All (1969) wird Raumstation Gamma I schließlich von schleimigen Aliens angegriffen, die von einer Außenmission eingeschleppt worden sind. Zumindest die Aktrice Luciana Paluzzi hielt noch die italienische Flagge hoch, aber auch Fans der ersten vier Filme wird der Abschluss der Reihe mehr als zufriedenstellen.

Monster aus dem All Deutsches Cover
An Filmen mit schleimigen Monstern auf dem Cover kann ich nur selten vorbeigreifen…

Und tatsächlich gab es zu dieser Zeit noch andere Filme des Italian SF, in denen Menschen durchs All streiften und sich mit Aliens auseinandersetzen mussten. Ebenfalls 1966 erschien Hydra – Mission im All/2+5: Missione Hydra, in dem sich einige Menschen der damaligen Jetzt-Zeit auf eine unfreiwillige Reise ins All begeben. Und kurz darauf hieß es: Perry Rhodan – SOS aus dem Weltraum/…4 …3 …2 …1 …morte (1967). Es war der erste und bisher letzte Ausflug des beliebten Romanhelden auf die große Leinwand.

Antonio Margheriti selbst drehte später noch Einer gegen das Imperium/Il mondo di Yor (1984) mit Reb Brown. Der Film zählt aber, trotz SF-Elementen, mehr zum damals populären Barbarenfilm. Seine Mini-Serie Das Schatz im All/L’isola del tresoro (1986) verlegte dann die Geschichte von Stevensons Die Schatzinsel in den Weltenraum.

Alfonso Brescias Kinderzimmer-Sternenkrieg

Noch vor dem Erfolg von Krieg der Sterne/Star Wars (1977) startete Alfonso Brescia, auch bekannt unter dem Pseudonym Al Bradley, aufgrund des Science-Fantasy-Hypes in eine Reihe von SF-Filmen. Year Zero: War in Space/Anno Zero – Guerra nello spazio (1977) ist ein loses Remake von Mario Bavas Planet der Vampire. Er bedient sich dazu noch großzügig bei bekannten Vorbildern wie Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum (1968) und Barbarella (1970).

Die Hauptrolle spielte der Engländer John Richardson, der neben seinen Arbeiten für Hammer Films nach Rollen in u.a. Die Stunde, wenn Dracula kommt (1960), Frankenstein 80 (1972) und dem Giallo Torso (1973) auch in Italien kein Unbekannter mehr war. Neben ihm spielte die Finnin Yanti Sommer, die in allen vier Filmen der Reihe mit von der Partie war. Die Fortsetzung Battle of the Stars/Cosmo 2000 – Battaglie negli spazi stellari (1978) folgte dann als Reaktion auf den weltweiten Siegeszug von Krieg der Sterne (1977). Die beiden Filme sind so selten, dass sie im Internet gerne mal durcheinander geworfen werden.

Al Bradley, Regisseur Cosmo 2000
Der Name “Al Bradley” bürgt für Qualität – nicht!  Quelle: YouTube

Ein Kopist am Werk

Während sich diese ersten Filme der Reihe, übrigens die einzigen, die auch inhaltlich zusammenhängen, eher an den italienischen SF-Filmen der 60er orientierten, war Krieg der Roboter/La guerra die robot (1978) dann der erste der Filme, der sehr deutlich Elemente des neuen Genre-Primus mit einbezog. Die Reise der Helden, u.a. Antonio Sabato und Giacomo Rossi Stuart, führt sie auf mehreren Stationen zum Heimat-Planeten eines Imperiums von Roboterwesen. Es wird hier mit Laserschwertern gefochten, und am Ende steht eine große Weltraum-Schlacht auf dem Plan.

Krieg der Roboter ist der einzige Film der Reihe, der es auch nach Deutschland schaffte, lief sogar in den frühen Zeiten des Privatfernsehens auf RTLplus. Aus dem Kostüm- und Modell-Fundus seiner Vorgänger wurde schließlich Star Odyssee/Sette uomini d’oro nello spazio (1979) mit Western-Star Gianni Garko, bekannt aus den Sartana-Filmen von 1969/70, zusammengezimmert. Die Menschheit leidet hier in Knechtschaft unter dem bösen Despoten Kress, der von der Erde vornehmlich Sklaven bezieht. Ein Wissenschaftler sammelt daraufhin (glorreiche?) sieben Helden, sechs Menschen und ein Roboter, um Kress und seine Schergen zu besiegen.

Video-Screenshot Star Odyssee
SF-Dreh im eigenen Wohnzimmer – Brescia war nichts zu billig © All Video

Alfonso Brescia „entleiht“ hier gleich mehrere Szenen aus dem großen Vorbild, sodass Star Odyssee als reinrassiger SW-Klon durchgeht. Die vier Filme präsentieren sich naiv bis infantil, mit Geschichten und Dialogen, die auch einem Schulhof-Abenteuer oder einer LEGO-Weltraumschlacht im heimischen Kinderzimmer entsprungen sein könnten. Sie sind bis oben hin vollgestopft mit Klischees, doofen Technobabble und klauen gerne mal ganze Szenen bei besseren Filmen; also im Grunde nichts Neues aus der italienischen Rip-off Gesellschaft. Das Budget dieser Machwerke dürfte dabei noch ein wenig knapper ausgefallen sein als bei den kostengünstigen 60s-Pendants seines Kollegen Antonio Margheriti. So wirken die Miniaturen, Kostüme und die gezeichneten Laser-Effekte streckenweise ein wenig lieblos.

Italo SF wird schlüpfrig

Aber Alfonso Brescia hatte danach aber noch nicht fertig. Kurz darauf inszenierte er nämlich noch einen weiteren Genre-Beitrag, der sich in Bezug auf das ganze Drumherum ebenso naiv und infantil ausnimmt wie seine Vorgänger, aber sich dabei ganz klar an eben kein minderjähriges Publikum richtet. Die Bestie aus dem Weltraum/La bestia nello spazio (1980) frischt seine blödsinnige Plotte um ein Raumschiff, das auf einem unbekannten Planeten nach einem wichtigen Mineral suchen soll, mit einigen Softcore-Szenen auf.

Haariger Sex in Die Bestie aus dem Weltraum
Die Erotik bei Brescia ist zwischenzeitlich eine haarige Sache © X-Rated

Da das für den internationalen Markt aber noch nicht genug schien, wurden nachträglich einige Hardcore-Inserts beigemischt, wo Genitalien, die ganz gewiss nicht zu den Darstellern, denen sie angedichtet werden, gehören, in Nah-Ansicht auf Vollkontakt gehen. Diese Inserts erheben den Film dann tatsächlich auf die nächsthöhere Stufe der Lächerlichkeit. Ein Coup gelang den Produzenten mit der Besetzung der Finnin Sirpa Lane, die in Walerian Borowcyks La bete (1975) eine traumwandelnde und vor allem sexuelle Begegnung mit einem sehr animalischen Wesen hatte. Selbstverfreilich hat Brescia dies in seinen Film übernommen, inklusive erotischer Träume und eines Fabelwesens mit riesigem Gummi-Schwengel.

Die SF-Komödie Flucht von Galaxy 3/Giochi erotici nell 3a galassia (1980) von Blödel- und Titten-Spezi Bitto Albertini nutzt einiges an Stock Footage aus Star Crash. Der Film wurde hier in Deutschland auch glatt als Star Crash 2 vermarktet. Der Film selbst orientiert sich mit seinen Erotik-Einlagen mehr an Alfonso Brescias kurz zuvor erschienen Die Bestie im Weltenraum (1980). Er bedient sich dazu auch noch am ehemals populären Genres des Peplum oder Sandalenfilms.

Star Crash – Die Krönung des Italo SF

Der wohl berühmteste SF-Film aus der Cinnecitta ist ohne Zweifel Star Crash – Sterne im Duell/Starcrash/Scontri stellari oltre la terza dimensione (1979) von Luigi Cozzi. Dieser kann als amerikanisch-italienische Koproduktion tatsächlich mit halbwegs bekannten Namen hausieren gehen, auch wenn die meisten von ihnen erst später zu Ruhm und Ehre kommen sollten. Und so kommt es, dass sich hier der ehemalige Kinder-Prediger Marjoe Gortner, der spätere TV-Rettungsschwimmer David „The Hoff“ Hasselhoff, der kanadische Hollywood-Star Chritsopher Plummer sowie Horror-Starlet Caroline Munro und Minirollen-Gott Joe Spinell ihr Stelldichein geben.

Mehr Flash Gordon als Luke Skywalker

Der Film handelt vom Schmuggler Duo Akton und Stella Star (Gortner & Munro), die vom guten Imperator (Plummer) beauftragt werden, seinen Sohn Prinz Simon (ein mit Lidschatten geschminkter The Hoff) zu befreien, um gemeinsam gegen den bösen Count Zarth Arn (Spinell) anzutreten.

Luigi Cozzi konnte zwar die Finanzierung des Films nur durch den Erfolg von Krieg der Sterne zusammenbekommen, der Film selbst lehnt sich in der Figurenkonstellation und dem Design der Raumschiff-Modelle weit mehr an die klassischen Flash Gordon Serials der 30er-Jahre an, die ihrerseits aber auch einen großen Einfluss auf George Lucas und seinen Sternenkrieg hatten. Somit ist Star Crash sogar der zweite Film der 70er, neben Flesh Gordon (1972), der die eigentliche Verfilmung des Stoffes von 1980 quasi vorwegnahm.

Die Produktion des angeblich mit 4 Mio Dollar recht gut budgetierten Produktion stockte immer wieder wegen finanzieller Engpässe. Neben dem Star Christopher Plummer, der allerdings nur wenige Szenen hat und für drei Tage zu Dreharbeiten in Rom verweilte – lustige Anekdote: in einem Interview sagte er mal, dass er sogar in einem Porno gespielt hätte, nur um in Rom zu drehen –, engagierte man Komponist John Barry für die Musik. Der amerikanische Geldgeber American International Pictures war am Ende derart unzufrieden mit dem Resultat, dass sie sich weigerten, den Film in Nordamerika zu vertreiben, und Roger Cormans New World Pictures einspringen musste.

Spektakel-König der zweiten Reihe

Trotz allem empfahl sich Luigi Cozzi durch Star Crash für einige Projekte mit Cannon Films Italia, für die er dann Herkules/Herciles (1983) und Die Abenteuer des Herkules 2/Le aventure dell’incredibile Ercole (1985) mit Lou Ferrigno drehte und auch bei Sindbad – Herr der sieben Meere/Sinbad of the Seven Seas (1989) seine Finger im Spiel hatte. Heute führt der gute Freund von Giallo-Meister Dario Argento übrigens dessen Laden für Film Memorabilia namens „Profondo Rosso“ in Rom. Der Film ist inzwischen zum Trash-Kult erhoben worden.

Italienischer Sternenkrieg als Kiddie-Spektakel

Während Alfonso Brescia bei Start des SW-Booms also sowieso dabei war, Italo SF-Filme in Serie auszuschwitzen und sich Cozzis Star Crash mehr am geistigen Großonkel der Lucas’schen Weltraumoper, also Blondschopf Flash Gordon, bediente, musste sich ja am Stiefel auch jemand ans Werk machen, um etatmäßig den ultimativen SW-Klon zu erschaffen. 1978 kratzten findige Finanziers umgerechnet 3,5 Millionen Dollar zusammen, ließen Adriano Bolzoni ein Skript anfertigen, das Enzo G. Castellari inszenieren sollte. Der nahm auch die Arbeit auf, verließ die Produktion schon kurz nach Beginn wieder.

Von da an übernahm Aldo Lado, dem man hierfür später das Pseudonym George Lewis verpasste. Kampf um die 5. Galaxis/L’humanoid kam im April 1979 in die Lichtspielhäuser, und auf den Plakaten prangte groß der Name Richard Kiel, der 2,18 m große Hüne war als „Beißer“ aus dem Bond-Film Der Spion, der mich liebte/The Spy Who Loved Me (1977) bekannt geworden. Im Film spielt er einen unbedarften Außerirdischen, dessen Wesen zur Tötungsmaschine umprogrammiert wird (den im Originaltitel gepriesenen „L’humanoid“, also „menschenähnlichen Wesen“).

Phantastisches Kuddelmuddel

Das lustige an Original-Titel und Star ist, dass sich der Film selbst kaum einen Kehricht darum schert, denn er spielt eigentlich nur eine austauschbare Nebenrolle. Die wichtigen Rollen spielen andere, allen voran ein unkenntlich hinter einer dunklen Maske verborgener Ivan Rassimov, der als finsterer Lord Graal die Welt (hier Metropolis genannt) und dann das ganze Universum, mithilfe der Strahlen von Dr. Kraspin, den der alternde, italo-erfahrene Ex-Hollywood-Recke Arthur Kennedy gab, zu erobern gedenkt. Damit nimmt er den Platz Darth Vaders ein, auch wenn seine Kostümierung mehr an Lord Helmchen aus Spaceballs erinnert.

Italo SF mit Helm - Kampf um die 5. Galaxis
Man muss nicht Mel Brooks heißen, um Schauspieler mit Helmen zu verunstalten – Ivan Rassimov in Kampf um die 5. Galaxis © RCA/Columbia

Da ein Super-Bösewicht allein für den Italo SF von Welt zu wenig erscheint, stellte man ihm Bond Girl Barbara Bach als Lady Agatha zur Seite. Der geht immer einer ab, wenn sie mit einer Maschine hunderte Nadeln in nackte Frauen jagen darf. Corinne Cléry, die im selben Jahr noch als Bond-Girl zweiten Ranges in Moonraker (1979) zu sehen war, ist das Pendant zu Obi Wan Kenobi. Denn ihre Barbara Gibson will der dunkle Lord schnellstmöglich tot sehen; sie unterrichtet einen ominösen kleinen Jungen mit übernatürlichen Kräften namens Tom Tom (seines Zeichens der hauptamtliche Ersatz für Luke Skywalker). Durch dessen Eingebungen können sie Kraals Häschern entfliehen und lernen darauf Nick kennen, dargestellt von Leonard Mann, der – wer würd’s nicht erraten? – hier Han Solo ersetzt.

Infantil, aber brutal

Soweit, so gut, doch unglücklicherweise gesellt sich noch ein Roboter-Hund zum Team. Der soll niedlich sein, aber in Verbindung mit dem dauergrinsenden Tom Tom unglaublich nervig ist. Das i-Tüpfelchen auf diesem Potpourri bildet eine penetrant-krachige Synthesizer-Mucke, von der man kaum glauben kann, dass sie aus der Feder von Maestro Ennio Morricone entsprang. Aber sie hat es auch nicht leicht, sich gegen das veranstaltete Getöse zu behaupten, wenn unsere Helden durch die deutlich an Krieg der Sterne angelehnten Papp-Kulissen gehetzt werden. Das Ergebnis ist als familientaugliches SW-Plagiat mit kleinen Einsprengseln sadistischer Exploition teils so unglaublich, dass es verwundert, dass der Film, ganz im Gegensatz zu Star Crash, heute solch ein Schattendasein fristet.

Folterinstrument aus Kampf um die 5. Galaxis
So richtig können die Exploitation-Filmer vom Stiefel nicht aus ihrer Haut – Folter in infantiler SF © RCA/Columbia

Das Hoch währt nur kurz

Doch der Boom um Krieg der Sterne verebbte am Stiefel sehr schnell. Mit dem Beginn der 80er-Jahre ließen die italienischen Filmemacher davon ab, nach den Sternen zu greifen. Selbst der parallel entstandene Boom des SF-Horror nach Alien (1979) hielt nicht lange an. Das lag auch daran, dass die Konkurrenz im Ausland groß war. Das Geld in Rom für die nichtsdestotrotz recht aufwändigen Italo SF-Produktionen schlicht nicht mehr da war. Während dieser Industriezweig nun immer weiter abbaute, konzentrierte man sich wieder auf allzu irdische Abenteuer-, Endzeit- und Söldnerfilme.

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