Poliziesco/Poliziottesco

Poliziesco - Italien in den 70ern Lesedauer: ca. 2 Minuten

Der Poliziesco oder auch Poliziottesco erfreute sich gerade in den 70er-Jahren großer Beliebtheit in Italien und löste damit den Western ab. Die Revolverhelden wechselten vom Pferd ins Auto und sorgten statt im Wüstenkaff nun in der Großstadt für Recht und Ordnung.

Was ist der Poliziesco und woraus leitet sich dieses Subgenre ab?

Wie bereits angeführt, waren diese Filme in gewisser Weise mit den Western der 60er vergleichbar. Ende des Jahrzehnts erschienen bereits einige Gangsterfilme wie z.B. Ducio Tessaris Der Bastard. Dieser erinnerte in seinem Aufbau und der szenischen Gestaltung immer noch sehr daran. Ein anderer großer Einfluss waren die Polit-Krimis von Damiano Damiani (Der Tag der Eule, Der Clan der seine Feinde lebendig einmauert) oder Francesco Rosi (Wer erschoss Salvatore G.?, Hände über der Stadt). Sie thematisierten die Einflussnahme von Gangstern auf Politik und Gesellschaft, beschrieben die Korruption und Erpressung. Sie brachten das Gefühl der Ohnmacht des einfachen Bürgers wie auch des ehrlichen Beamten, der schon am Widerstand aus den eigenen Reihen scheitert, zum Ausdruck.

Der Poliziesco umfasst sowohl Polizei- wie auch Gangsterfilme, und auch die ab Mitte der 70er aufkommenden Thriller der Selbstjustiz-Welle. Natürlich orientierten sich viele Filme an den angesagten amerikanischen Vorbildern wie Dirty Harry, Death Wish oder Der Pate. Jedoch traten die italienischen Vertreter ungleich grobschlächtiger und Action-orientierter auf. Neben der gern bemühten harten Hand der Gesetzeshüter gegen das überbordende Verbrechen wurden auch soziale, gesellschaftliche und politische Themen angeschnitten oder sogar direkt diskutiert. Allerdings wurde dies nur selten elegant verwoben, sondern nebenbei in einigen eher unwichtigen Dialog-Szenen untergebracht.

Stars & Macher

Aus dem Western imigrierten Stars wie:

  • Franco Nero (Tote Zeugen singen nicht)
  • Tomas Milian (Der Berserker, Die Kröte)
  • Mario Adorf (Das Syndikat, Milano Kaliber 9)
  • Fabio Testi (Racket, Das Syndikat des Grauens)

Es wurden auch nicht nur einheimische Stars verpflichtet. Das Subgenre lockte andere europäische und auch amerikanische Darsteller, etwa:

  • Martin Balsam (Im Dutzend zur Hölle, Tote pflastern seinen Weg)
  • Henry Silva (Die Rache des Paten, Manhunt in the City)
  • John Saxon (Camorra – Ein Bulle räumt auf, Die Gewalt bin ich)
  • Helmut Berger (Der Tollwütige)

Und natürlich schuf es genauso neue Stars, u.a. Ray Lovelock (Der Einzelgänger) und natürlich Maurizio Merli (Gewalt rast durch die Stadt, Convoy Busters). Letzterer gilt auch noch heute als das Aushängeschild für den harten Bullen, als Personifizierung des Poliziesco. Wichtige Regisseure waren Umberto Lenzi, Fernando Di Leo, Enzo G. Castellari und Stelvio Massi. Die temporeiche Action dieser Filme untermalte die Musik von Künstlern wie den De Angelis-Brüdern, Stelvio Cipriani oder Franco Micalizzi.

Welche Bedeutung hat er heute noch?

In seiner Zeit hatten die Produzenten vor allem beim einheimischen Publikum Erfolg. Ein Exportschlager ist der Poliziesco nie geworden, auch wenn es einige Versuche gab, ihn auch in den Staaten zu etablieren. Mit dem Videomarkt in den 80ern erschloss er sich neue Märkte, u.a. auch in Deutschland, wo viele dieser Filme erst jetzt erstveröffentlicht wurden. Ab den 2000ern konnte das Subgenre mit der Verbreitung der DVD eine stetig wachsende Fangemeinde etablieren. Man kann es mit Fug und Recht behaupten: Der italienische Polizei- und Gangsterfilm war außerhalb Italiens noch nie so beliebt wie heutzutage.

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